Snackable MDR? Die Selbstverzwergung der Öffentlich-Rechtlichen
Der Deutsche Drehbuchverband zum Auftragsstopp bei Tatort und Polizeiruf 110
20.05.2026 | DDV

Berlin, 20.05.2026 Jetzt also doch gleich mit Wucht! Kurzsichtige Medienpolitik und die ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags führen zu hohem, kurzfristigen Spardruck in den öffentlich-rechtlichen Anstalten, der wie erwartet nur eine Hauptrichtung kennt: das Programm.

Der DDV und andere Verbände fordern seit langem „50+“, eine Zweckbindung von mindestens der Hälfte der Mittel für das Programm. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen weg von überbordender Bürokratie und üppigen Senderstrukturen hin zu einer Vielfalt und Qualität von Filmen, Serien und Dokus. Gerade passiert das Gegenteil. Medienpolitiker*innen der Länder: der Schaden ist da!

Der Tatort/Polizeiruf am Sonntagabend ist das letzte Lagerfeuer der Nation, um das sich jede Woche zuverlässig zwischen 6 und 10 Millionen Menschen quer durch alle Generationen versammeln. Kaum ein Sendeplatz bietet so viel beiläufige Sichtbarkeit für regionale Besonderheiten und lokale kulturelle Prägungen. In Form spannender, vielfältiger, emotionaler und tiefgründiger Geschichten. Öffentlich-rechtlicher Auftrag at its best, deutsche TV-Branche in konstant guter Form. Kaum vorstellbar, dass ein Medienhaus diesen wichtigen Sendeplatz freiwillig räumt. Tatsächlich aber wurde der Weimarer Tatort bereits 2021 eingestellt, der Hallenser Polizeiruf 2026, nun folgen Dresden und Magdeburg.

Sachsen, Thüringen, Sachsen- Anhalt: Time Out! Allein die Rostocker und Brandenburger Polizeirufe sollen im Senderverbund der ARD noch den Osten repräsentieren? In Zeiten, wo sich die ostdeutsche Bevölkerung schon jetzt abgehängt und nicht ausreichend gesehen und gewürdigt fühlt, fördert man so nur Spaltung und emotionale Entfremdung. Es ist eine geradezu gefährliche Selbstverzwergung, wenn aufgrund der Kassenlage immer wieder reflexhaft wesentlich am Programm gespart wird und nicht mittels Abbaus von Doppelstrukturen und Bürokratie. Die Bindekraft der Fiktion für unsere Gesellschaft wird hier sträflich ignoriert.

„Snackable Fiction“ hat der MDR-geführte Kika einmal auf einem DDV-Panel als erfolgversprechenden Weg in die Zukunft vorgezeichnet. Leicht und schnell zu konsumierende fiktionale Kürzestformate für die Online-Plattform. Fiktion nicht als Herausforderung, als Bildungs- und Unterhaltungsformat, sondern als billiger kleiner Snack. Wenn der MDR dazu übergehen sollte, insgesamt inhaltlich nur noch ganz kleine Brötchen zu backen, könnte dies irgendwann auch seine Legitimität beschädigen und ihn selbst zum Snack für die Feinde des öffentlich-rechtlichen Systems machen.

Herr Ludwig, ändern Sie den Kurs!

 

Über den DDV:

Mit über 770 Mitgliedern bildet der Verband eines der größten aktiven und solidarischen berufsspezifischen Netzwerke in der deutschen Filmbranche und vertritt als Verband die Interessen der Drehbuchautor*innen in allen Fragen der Film- und Medienpolitik, der Förderung, des Urheberrechts sowie der Verhandlung von Gemeinsamen Vergütungsregeln mit Sendern, Streamingdiensten und Produktionsfirmen. Der DDV setzt sich für mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung der Autor*innen sowie für mehr Einfluss auf die Verwirklichung der erzählerischen Visionen auch im Herstellungsprozess ein, genauso wie für den Schutz menschlicher Werkschöpfung in Zeiten von KI. Ohne Drehbuch kein Film und keine Serie. www.drehbuchverband.de

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