Berlin, 30.01.2025. Der Deutsche Drehbuchverband (DDV) hat heute mit Unterstützung des Verbands Deutscher Bühnen- und Medienverlage (VDB), dem Verband der Agenturen (VdA) und führender Drehbuchagenturen den neuen Praxisleitfaden „Drehbuch und KI“ veröffentlicht.
Das Dokument versteht sich nicht nur als erster umfassender Ratgeber für Autor*innen zum Thema KI, sondern zeigt auch auf, welche urheberrechtlichen Herausforderungen bei der Vertragsgestaltung im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz kollektiv geregelt werden müssen, um Fairness und Sicherheit für alle Beteiligten herzustellen.
Im Kern gehe es dabei um die Frage, wie Verträge gestaltet sein müssen, um sicherzustellen, dass die kreative Hoheit über das Erzählen auch in Zukunft in den Händen von Drehbuchautor*innen verbleibt.
Nach Ansicht des DDV könnte die generative KI die bisherigen Kräfteverhältnisse innerhalb der Film- und TV-Branche dramatisch verschieben. Das gelte nicht nur für die Übernahme kreativer menschlicher Arbeit durch die KI und die damit verbundenen Rationalisierungen, sondern auch für die Frage, wer zukünftig über die Inhalte bestimmt: Lokale Akteur*innen oder globale Big-Tech-Anbieter*innen?
Denn durch generative KI könne erstmalig auch bei der Erstellung von Drehbüchern (und deren Vorstufen) technologisch massiv eingegriffen werden. „In Kenntnis der immensen identitäts- und orientierungsstiftenden Potenziale fiktionaler Werke“, so DDV-Geschäftsführer Jan Herchenröder, „muss sich die ganze Branche dafür einsetzen, mit kreativen Werken auch zukünftig eine demokratische Wertevermittlung und die Abbildung der Gesellschaft in ihrer ganzen Komplexität zu gewährleisten.“
DDV und die unterstützenden Verlage und Drehbuchagenturen fordern deshalb von Produktionsfirmen, auf Vertragspassagen zu verzichten, in denen ein Ausverkauf der Rechte von Autor*innen zugunsten einer womöglich unbegrenzten KI-Nutzung auch noch mit dem Etikett der „Branchenüblichkeit“ versehen wird. „Eine solche ‚Branchenüblichkeit‘, so Jan Herchenröder „gibt es bisher nicht. Sie kann dementsprechend auch kein Legitimationsargument sein.“
Der Deutsche Drehbuchverband und seine Unterstützer*innen setzten stattdessen auf einen Schulterschluss zwischen Autor*innen und Produktionsfirmen, um bei allen Vereinbarungen zur KI ein Höchstmaß an Transparenz und fairen Regelungen zu gewährleisten.
Das gilt einerseits für den OUTPUT (also was aus der Maschine nach einem Prompt herauskommt): Welche Zusicherungen dürfen Autor*innen in Bezug auf den eigenen Einsatz von KI bei der Schöpfung ihrer Werke abverlangt werden? Wie kann die Freiheit über die Wahl der schöpferischen Mittel gesichert werden?
Und anderseits für den INPUT (also die Trainingsdaten, die in die Maschine hineingehen): Ob und in welchem Umfang können Autor*innen der Produktion Nutzungsrechte an ihren Werken zur Verarbeitung durch KI einräumen oder dies ablehnen?
„Nutzungsrechte, Vorbehalte, Haftungsübernahmen sowie Garantien in Bezug auf KI“ bedürfen laut DDV und seinen Unterstützer*innen „der Verhandlung auf Augenhöhe und keiner Überrumpelung im Kleingedruckten der AGB-Anhänge“. Überdies stelle sich bei KI-Nutzungen natürlich auch die Frage der „angemessenen Vergütung“ neu.
Dringend erforderlich sei deshalb ein Dialog zwischen den Produzent*innen und Sendern/Streamern über faire Verträge und einen sicheren Umgang im Zusammenhang mit KI. „Eine schnelle Einigung der kreativen Partner“, so Jan Herchenröder, „kann eine wichtige Basis sein, um sich gemeinsam den Herausforderungen durch den wachsenden Einfluss von BigTech zu stellen.“
Den Praxisleitfaden „Drehbuch und KI“ in einer Lang- und Kurzfassung finden Sie im Anhang/unter diesem Link.
Herausgegeben vom Deutschen Drehbuchverband (DDV) mit Unterstützung von Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage (VDB), Verband der Agenturen (VdA) und führenden Drehbuchagenturen[1]
Kontakt:
Deutscher Drehbuchverband e. V.
Jan Herchenröder
Geschäftsführung
Markgrafendamm 24 - Haus 18
10245 Berlin
Pressekontakt:
Kristian Müller,
SteinbrennerMüller Kommunikation
mail@steinbrennermueller.de, 030 47372192
[1] Namentlich: La Gente Agentur, Sascha Beck, Players, Die Agenten, Talent Republic Agency, Agentur Schlag, Agentur Heppeler, gattys global | writers + rights Agentur Homebase, Scenario, Midpoint