Der Deutsche Drehbuchverband gratuliert ganz herzlich und dokumentiert im Folgenden Heide Schwochows Worte bei der Preisverleihung! Danke, dass wir deine Rede veröffentlichen dürfen.
„Ein Ehrenpreis für ein Duo von Drehbuch und Regie, das ist etwas sehr Besonderes!
Was für eine Ehrung! Wir bekommen ihn für eine Teamarbeit auf Augenhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Zwischen Drehbuch und Regie wimmelt es von Tretminen, Missverständnissen, von Machtkämpfen, und manchmal wächst der Graben zwischen beiden Seiten so tief, dass man keine Brücke mehr zueinander findet. Was passiert dann? Oft wird der Autor oder die Autorin ausgetauscht. Oder auf eine reine Dienstleistung herabgewürdigt. Viel Potential geht dabei verloren, Kreativität, die in Filme fließen könnte. In Filme, die wir alle so dringend brauchen.
Was ist das Besondere an unserer Zusammenarbeit? Wir haben das Schreiben von Drehbüchern zusammen gelernt. Und mussten durch alle Krisen gemeinsam durch. Die langen Wege der Stoffentwicklung bis zum fertigen Buch. Es gibt Probleme und Hürden, die manchmal so hoch sind, dass sie unüberwindbar scheinen. Aber wir sind nicht daran zerbrochen, sondern als Team gewachsen. Gibt es ein Geheimnis? Sind es neun Monate gemeinsamer Blutkreislauf? Ha, das wäre einfach. Dann könnte man unsere Erfahrung wegwischen und sagen: Das ist nicht verallgemeinerbar! Die sind ja Mutter und Sohn. Aber ist die Verletzungsgefahr bei Mutter und Sohn nicht besonders groß?
Spielen vielleicht Erfahrungen eine Rolle, die mit einer ostdeutschen Vergangenheit zusammenhängen? Was wäre das? Unsere wilden Diskussionen in den 80er Jahren über Politik, über Kunst, über Widerstand? Die hat Christian ganz selbstverständlich miterlebt. Die Erfahrung, dass aus Wut und Ratlosigkeit etwas Positives entstehen kann, wenn man sich wehrt. Eine Veränderung, die kaum einer von uns für möglich gehalten hätte. Insofern könnte ich das mit JA beantworten.
Es gibt kein Geheimnis.
Wir reden viel, um uns auf eine gemeinsame Vision zu verständigen. Wir reden unendlich viel, um sie immer wieder zu befragen. Das ist intensiv, langwierig, anstrengend, schön. Wenn ich einen Begriff finden sollte für unsere Zusammenarbeit, dann nenne ich das „wertschätzende Kommunikation“. Nicht, weil wir immer so lieb und nett zueinander sind. Sind wir nicht. Wir kritisieren uns. Auch hart. Aber es gibt ein Motiv für unsere gemeinsame Arbeit. Wir wissen, was wir aneinander haben! Wir wissen, was der oder die andere einbringt und einbringen kann. Wir wissen, dass auch im Streit die Sache im Vordergrund steht, nicht unser Ego. Das ist der Maßstab. Aber wenn ich ehrlich bin? Dieser Maßstab ist für mich oft auch ein Fluch, weil wertschätzende Kommunikation in unserer Branche nicht die Regel ist. Schon gar nicht in Zeiten der abnehmenden Möglichkeiten. Ich habe schmerzhafte Erfahrungen gemacht und weiß, warum ich die Arbeit mit Christian so besonders schätze. Bei ihm fühle ich mich als Autorin gesehen.
Und ich weiß, was ich von ihm und seiner Perspektive lernen kann.
Wisst ihr, wie schön das ist, wenn man schon in der Drehbuchentwicklung gemeinsam filmisch denken kann? Wenn ich nicht auf eine Zulieferung reduziert werde, sondern mich dem Film irgendwie zugehörig fühlen kann? Wenn ich Vertrauen in den Regisseur habe, weil ich weiß, er wird unsere Vision nicht verraten? Ich habe keine Angst davor, überrascht zu werden. Ich habe keine Angst vor Änderungen am Set. Warum auch? Wir sind immer wieder in einen Diskurs getreten und haben unserer Perspektiven aneinander gerieben.
Ich weiß, wie akribisch Christian arbeitet. Und dass ich stolz auf ihn bin. Als Regisseur und ja, auch als Sohn.
Was ich aber in die Filmwelt schreien will: Wertschätzende Kommunikation trägt zur Genesung einer angekränkelten Branche bei, Respekt hilft, Krisen zusammen durchzustehen. Ein starkes Team nicht nur von Drehbuch und Regie, sondern im kreativen Dreieck mit der Produktion, im Dialog mit der Redaktion, aber auch mit den Gewerken ist vielleicht keine Garantie für einen starken Film, aber eine wunderbare Voraussetzung. Lasst uns immer wieder daran arbeiten!"
Mehr Infos zur Jurybegründung des Ehrenpreises der DADK für Heide und Christian Schwochow findet ihr unter dem Button!